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Die Angst zu vergessen

Die Angst zu vergessen macht uns zu Menschen. Die Angst vergessen zu werden macht uns zu Persönlichkeiten. Jeden Menschen umgibt eine Geschichte, eine Lebensphilosophie, die einzigartig ist und kein zweites Mal vorkommt. Wir kämpfen täglich mit unseren eigenen Gedanken, suchen die Probleme, um sie dann zu lösen. Wir brauchen Aufgaben, wollen beschäftigt sein und zugleich in Freiheit leben. Ein Gegensatz der nicht funktionieren kann. Wir versuchen unserem Dasein einen Sinn zu verleihen, um diesen dann anzuzweifeln. Ein Kreislauf der uns das ganze Leben begleitet, und gegen den wir ständig ankämpfen. Wer fühlt sich niemals nutzlos, alleine, überflüssig? Ich bestimmt nicht, und auch kein anderer Mensch auf dieser Erde. Doch genau diese Gefühle machen uns stärker. Wir kämpfen gegen die Beständigkeit an. Jeden Tag werden wir wieder aufs Neue aufgefordert, zu beweisen, zu entscheiden, aber niemals aufzugeben. Irgendetwas hält uns davon ab aufzugeben. Es ist die Angst zu vergessen und vergessen zu werden!

Alleine oder Einsam

Ich vermisse die Einsamkeit, wenn ich alleine bin. So stehe ich vor meinem Kleiderschrank und halte zwei Krawatten in der Hand. Mein Glück, dass ich nur diese beiden habe... Ich schliesse die Türe und steige ins Auto. Die Dämmerung liegt hinter der Brücke, über die mich mein Weg in die Stadt führt. Mein Parkplatz habe ich mir selber erkämpft, bezahlen muss ich ihn allerdings aus eigener Tasche. Ich lass die Krawatte im Auto und spaziere durch dichtbevölkerte Strassen, bis ans andere Ende der Stadt. Die Schlange am Eingang ist wie immer gut besucht und so stehe ich hinter jemandem, der wiederum dasselbe tut. Das zieht sich so hin, bis man wieder bezahlen kann. Schweisstropfen bilden sich auf meiner Stirn und kullern bis zur Augenbraue ? es ist noch immer heiss. Ich beziehe auf meinem Platz Stellung, bis das Licht erlöscht und hunderte Menschen in Dunkelheit sitzen. Auf der Leinwand herrscht Verwirrung, Chaos. Menschen rennen, laufen, warten, springen und manchmal, da sterben sie sogar. Das Licht geht an und gemeinsamer Applaus weicht der stillen Einsamkeit. Ich schliesse die Tür zu meiner Wohnung wieder auf und stehe vor den Kleiderschrank. Im Spiegel bemerke ich, dass die Hosen einen Flecken aufweisen. Ich vermisse die Einsamkeit, wenn ich alleine bin!

Das Weichei aus dem Westen

Ich nehme mit heute einfach einmal die Freiheit zu sagen, was vielen Leuten mit falscher Meinung nicht gefallen wird. Männer sind Weicheier. In Zeiten wo der Mann all halbe Stunde vor dem Spiegel auf der Männertoilette vorzufinden ist. In Zeiten wo Gleichberechtigung falsch verstanden wird und das männliche Geschlecht weibliche Züge annimmt. In Zeiten da freie Meinungsäusserung zuerst allgemein definiert werden muss. In Zeiten... wo ist die Selbstverständlichkeit geblieben, unrasiert und betrunken in den Häuserschluchten herumzuziehen? Natürlich ist Trunkenheit keine Eigenschaft die Lob verdient hätte, doch es sollte zumindest wieder vereinzelt erlaubt sein. ?Du siehst dir gerne Western an? Stundenlanges herumreiten, endlose Momente der Schweigsamkeit, staubige Saloons?? Verdammt ja! Cowboys reiten nicht einfach herum. Sie fliehen, verfolgen, sorgen für Gerechtigkeit. Verdammt ja, sie schweigen! Wenn ein Blick mehr sagt als die Gesamtheit spontan aufgezwungener Samstagabendunterhaltungen. Und verdammt ja, rauer Präriewind trägt auch bei Gelegenheit ein Sandkörnchen in die Bar. Ein falsches Zucken, ein Ass zuviel im Ärmel, unnötige Kommentare und schon stehen sie Auge in Auge in leergefegten Häuserschluchten und ziehen ihre Colts. Habt ihr schon einmal Clint Eastwood sagen hören: ?Wir könnten es doch ausdiskutieren?, oder ? Schatz, darf ich zu diesem Duell wenn ich dir etwas mitbringe?. NEIN... die Kugel schiesst aus dem Lauf und der Schnellere reitet erhobenen Hauptes, wortlos in den Sonnenuntergang. Ich wäre dafür, dass diese Duelle wieder eingeführt werden. Die Sache mit-dem-in-den-Sonnenuntergan-reiten lassen wir allerdings weg. Die meisten wüssten ohnehin nicht wo Westen ist und herumirrende Cowboys auf der Suche nach Himmelsrichtungen? ?Hast du Westen gesehen?? ?Westen? Ich suche noch immer die passende Farbabstimmung zum Horizontrot.? Ich sattle mein Pferd und fliehe wortlos aus der Stadt!

Ausserhalb

Umringt von Schatten senke ich meinen Kopf, um dem drohenden Wind zu trotzen. Halte Ausschau nach der nächsten Welle, die jederzeit hereinbrechen könnte. Die Dunkelheit wird kommen, die Einsamkeit wird bleiben. Ein freier Fall der Gedanken, von Angst in Übermut, von Selbstverständlichkeit bis Zweifel. Schaue herrenlosen Blättern zu, wie sie langsam auf den kalten, körnigen Sand zusegeln. Kleine Regentropfen werden vom grauschwarzen Himmel fallen, doch dann werde ich längst nicht mehr hier sein. Der Regen verfolgt einem meist ohne böse Absichten, es ist einfach seine Art zu funktionieren. So funktioniere ich in diesem Moment, ohne Absichten, ohne Ziel, ohne schlechtes Gewissen. Die Freiheit ins offene Meer hinauszulaufen, meinen Weg weiter nahe der Wassergrenze fortzusetzen, ins Landesinnere anzubiegen. Die Sicherheit entscheiden zu können ohne entscheiden zu müssen hat mich, so empfinde ich, hierher geführt. Niemand ist von Wichtigkeit, ausser mir selber. Ein egoistischer Moment um die Wunden zu pflegen, die man sich selber zugefügt hat. Eine Selbstheilung um Narben zu verhindern, um gesund ins Leben zurückzukehren. Hole noch einmal tief Luft bevor das Bild stehen bleibt und ich aus dem Rahmen laufe. So sind nur noch die Fussabdrücke im Sand Zeuge von Vergangenem, ein kleiner Fingerzeig in eine andere Welt!

Im Nebel

Es die Suche nach Perfektion, die mich weiter vorantreibt, im Wissen, niemals die Antworten auf all meine Fragen zu finden. Es ist die Suche nach Gleichgültigkeit, die mich ruhen lässt, in Momenten des Zweifelns. Ich gehe gemeinsam unter mit meinen Überzeugungen und Idealen, ich steige empor mit Gemeinsamkeiten und Vorstellungen. Ich sehe Zeichen an der weissen Wand, die ich Tag für Tag als Projektionsfläche benutze. Studiere an den Kleinigkeiten des Lebens herum, die einem mit Genugtuung und dem Gefühl des Verlorenen erfüllen. Sie sagen, weit weg ist es viel schöner, dort wo die Perfektion auf einen wartet. Hinter jedem Gedanken des Besseren, steckt die tiefe Angst des Scheiterns, um Widerstände besser zu erkennen. Rohe Gewalt erhellt Augenblicke in schwarze Farbe, bevor die weissen Fahnen gehisst werden von Menschen mit grünem Herzen. Ich komme manchmal an meinem Haus vorbei, wo Geschichte mit Zukunft begraben liegt. Ich stehe im Nebel einfach nur so da und schliesse meine Augen. Kalter Abendwind bläst schwermütig durch die kahle Strasse, lässt all das Streben nach Anerkennung und Leistung weit weg erscheinen. Es ist ein einfaches Gefühl, eine kleine Hoffnung sich so zu fühlen, wie es sich anfühlen soll. Es ist Zeit weiter zu gehen, in Richtung Leben, wo Geschichte und Zukunft nicht existiert, wo Perfektion gejagt wird!

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